Körperliche Interventionen #1

4. Mai 2021

Monika Funke Stern

Monika Funke Stern ist eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin. In ihren Filmen tauchen oft Figuren aus bekannten Mythen und Sagen auf. Allerdings spielen diese nach ihrer eigenen Regie, sodass sie kaum wiederzuerkennen sind. Immer wieder unternimmt Funke Stern eine kritische und kluge Auseinandersetzung mit dem Bekannten und Gewohnten, indem sie alte Geschichten neu montiert. Nicht weniger oft erfindet sie Handlungen, aber nie ohne Anspielungen auf das zeitgenössische Geschehen. Funke Stern ist nicht nur in der Erzählung mutig, sie experimentiert auch mit den technischen Mitteln, so springt sie zwischen 16 mm, Video und, bereits sehr früh, Computeranimation. In ihrer Praxis ist sie an keine Technik gebunden, sondern – so ihr Ruf in der Szene – sie eignet sich begierig neue Techniken an.

Aufgrund der Corona – Situation wird diese Projektion online und im Schaufenster des Raums für drastische Maßnahmen stattfinden.
Der Link zu den Filmen wird am 4. Mai auf https://www.facebook.com/attaqueerlevisible und hier veröffentlicht. Die Filme werden bis zum 5. Mai, 24 Uhr, zugänglich sein.

Hier zum Interview mit Monika Funke Stern.

PROGRAMM:

Unding Undine, BRD 1981, 16 mm, 15 Min.

Regie: Monika Funke Stern und Gerda Leopold
Mitwirkende: Ute Aurand und Annabella Arnold
Produktion: HdK/DFFB

Die Sage von Undine hat viele fasziniert. Eine Nixe, die im Wasser lebt und für dieses Element steht. Beseelt ist sie nur, wenn sie von einem Menschen geliebt wird, weswegen sie diese verführt und sie zugleich ins Verderben zieht. Der Film begibt sich auf Karpathos, um den Spuren der Nixe nachzugehen. Allerdings findet er viel mehr.
Unding Undine ist eine „Abreise-, Ausbruchs-, Untertauchgeschichte.“ (Monika Funke Stern)

Zum Glück gibt‘s kein Patent, BRD 1985, 16 mm u. 35 mm, 14 Min.

Regie: Monika Funke Stern
Darsteller_innen/Mitwirkende: Hella von Sinnen, Dirk Linke, Ric Schachtebeck, Sebastian Gartlgruber
Produktion: Funke Film

Norma Din ist eine Patentbeamtin, deren Leben völlig von ihrer Arbeit durchdrungen ist. Zwischen Regalen voll von Patentbüchern, eingesandten Erfindungen und Gedanken zur Markttauglichkeit vergibt Norma neue Patente. Die Arbeit lässt sie nicht los, nicht mal in der Nacht. Eines Tages befindet sich unter den eingereichten Erfindungen „Robot“, ein Automat, der sie künftig ersetzen soll. Kann das der Beamtin recht sein? Ein „Märchen“ über die fortgeschrittene Entfremdung durch Arbeit.

Frankensteins Töchter*, BRD 2016 (1984), U-Matic, 6 Min.

*Frankensteins Töchter ist eine gekürzte Version des Videos Frankensteins Scheidung (BRD 1984, U-Matic, 45 min.)

Regie: Monika Funke Stern
Mitarbeit: Hanno Haethe
Darsteller_innen: Marita Cordt, Claudia Daulte, Stefan Kleine, Najade Kirchberger, Ingrid Krolow, Lucienne Pongracz, Helga Schnackenburg
Produktion: FunkeFilm/nbk

Ein perfektes Wesen selber gemacht? Damals in den 80er Jahren schien so ziemlich viel möglich zu sein. Glatte Haut, eine neue Nase, ein flacher Bauch – fast alles, was die Fernseh- und
Straßenwerbung begehren lässt, ganz ohne Schweiß und Anstrengung. Ein Skalpell, eine Sonnenbank und ein entsprechendes finanzielles Vermögen, schon ist alles möglich. Frankenstein wurde von seiner Schöpfung überholt, die sich selbständig „perfektioniert“ – bloß hat diese Selbständigkeit wenig mit Emanzipation zu tun.

Attaque(e)r le visible

Experimentalfilmreihe – monatlich von März bis Dezember 2021

kuratiert von Lawinia Rate

Attaque(e)r le visible ist eine Experimentalfilmplattform für Projektionen, Treffen, Gespräche, Buchpräsentationen und Vorträge. Sowohl ältere Experimentalfilme als auch die aktuellsten Entwicklungen des Genres finden hier einen Platz. Attaque(e)r le visible widmet sich Filmen, die die Konsistenz und den Illusionismus des klassischen Spielfilms durch bewusste Verweise auf seine technische Eingebundenheit, seine Inkohärenz und auf die Materialität des Films stören. Gezeigt werden Arbeiten, die sich durch die Verweigerung stereotyper Bilder und linearer Narration kritisch gegenüber ihrer Mitwelt, normativen Sichtbarkeiten, Formen und Körpern positionieren. Kurz, es geht um Filme, die Selbstverständlichkeiten nicht trauen, um Filme, für die das Wort „normalerweise“ nicht existiert.

Nach Stationen in Paris, Kassel und Köln findet Attaque(e)r le visible in Kollaboration mit dem Raum fürdrastische Maßnahmen nun seine Fortsetzung in Berlin. Die Reihe besteht in diesem Jahr aus zwei Teilen, Körperliche Interventionen und dem Videofest. In monatlichen Projektionen zeigt Körperliche Interventionen ab Mai Experimentalfilme aus den 60er, 70er und 80er Jahren. „Körper“ wird hier im weiteren Sinne verstanden. Es geht nicht lediglich um den menschlichen Körper, sondern ebenfalls um den Körper des Films, seine Materialität, seine photochemikalische Hülle sowie um die Herstellung von Filmen in Kollektiven. Unter anderen könnt ihr euch auf Filme von Dore O., Margaret Raspé, Monika Funke Stern, Ute Aurand und Helga Fanderl freuen. Das an zwei Wochenenden stattfindende Videofest wendet sich neueren Tendenzen im Experiment in Film und Video zu.

Programm:

Videofest #1
27. – 28. März 2021 – keine Eröffnung / ab 12:00 / non-stop im Schaufenster

Coronabedingt findet Videofest #1 ohne Eröffnung und nur im Schaufenster
statt. Die Projektion läuft ab dem 27.03. um 12:00 Uhr bis zum 28.03.
um 22:00 Uhr ohne Unterbrechung und kann von draußen angeschaut werden.

Đejmi Hadrović – Apartment 102, Österreich 2019, digital, 3:40 Min.

Julie Hart – Entität, BRD 2020, digital, 5:12 Min.

Ho Waishan – Lemon Tree, Hong Kong 2019, digital, 1:48 Min.

Narges Kalhor – LovoGary, BRD 2016, 35 mm, 4:06 Min.

Leyla Rodriguez – Optimistic Cover, BRD 2015, digital, 4:34 Min.

Juli Saragosa – Urban Caustic, BRD 2002, 16 mm/video, 7:46 Min.

Körperliche Interventionen #1 – Berliner Experimentalfilme der 80er Jahre

4. Mai ab 20:00 Uhr

Körperlich

Monika Funke Stern

Die Filme werden online vom 4. Mai bis 5. Mai 24:00 Uhr und im Schaufenster am 4. Mai 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr zugänglich sein.

Unding Undine, BRD 1981, 16 mm, 15 Min

Zum Glück gibt‘s kein Patent, BRD 1985, 16 mm u. 35 mm, 14 Min.

Frankensteins töchter, BRD 2016, U-Matic, 6 Min.

Monika Funke Stern ist eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin. In ihren Filmen tauchen oft Figuren aus bekannten Mythen und Sagen auf. Allerdings spielen diese nach ihrer eigenen Regie, sodass sie kaum wiederzuerkennen sind. Immer wieder unternimmt Funke Stern eine kritische und kluge Auseinandersetzung mit dem Bekannten und Gewohnten, indem sie alte Geschichten neu montiert. Nicht weniger oft erfindet sie Handlungen, aber nie ohne Anspielungen auf das zeitgenössische Geschehen. Funke Stern ist nicht nur in der Erzählung mutig, sie experimentiert auch mit den technischen Mitteln, so springt sie zwischen 16 mm, Video und, bereits sehr früh, Computeranimation. In ihrer Praxis ist sie an keine Technik gebunden, sondern – so ihr Ruf in der Szene – sie eignet sich begierig neue Techniken an.

Online Projektion und Schaufensterprojektion (der Link wird hier am 4. Mai veröffentlicht)

8. Juni ab 20 Uhr

Filmgefühl

Filme von Helga Fanderl

Kompilation ausgewählt durch Helga Fanderl

Der 8 mm-Projektor mitten im Publikum und sein leises Rattern sind ein Charakteristikum der Vorführungen von Fanderls Filmen. Ihre Vorführprogramme, die sie Kompositionen nennt, gestaltetsie meist selbst und das Vorführen übernimmt sie ebenfalls. Eigentlich wollte Fanderl Dichterin werden. Der Zufall wollte es, dass sie Anfang der 80er Jahre den 8 mm-Filmkurs von Urs Breitenstein besuchte. Seitdem hat das Filmen sie nicht mehr losgelassen. Ihre Filme sind Gedichte,statt mit einem Stift dichtet Fanderl mit der Kamera. Später studierte sie bei Peter Kubelka und Robert Breer, wo sie den Experimentalfilm kennenlernte. Fanderl „schneidet“ und „montiert“ ihre Filme in der Kamera, sie bearbeitet sie nie nach. Entweder gelingt der Film oder er wird nicht gezeigt.

Gästin: Helga Fanderl

Vorführung: Original Super 8

27. Juli ab 20 Uhr

Kollektivkörper

Aus heiterem Himmel, BRD 1981, 16mm, 110 Min.

Ein Kollektivfilm von Marie-Susanne Ebert, Monika Funke Stern, Ebba Jahn, Barbara Kasper,Anke Oehme, Ingrid Oppermann, Renate Sami, Claudia Schilinski und Angi Welz-Rommel

Vor 40 Jahren arbeiteten 9 Künstlerinnen zusammen an einem 9 Episodenfilm namens Aus heiteremHimmel. Der Anlass dieser kollektiven Betätigung war ihr gemeinsamer Wille, während des Kalten Kriegs ein Zeichen gegen die atomare Bedrohung zu setzen. Dieser Film ist nicht zuletzt deswegen interessant, da die unsichtbare Bedrohung von damals Ähnlichkeiten zur Coronasituation aufweist.

Gästin: Angi Welz-Rommel

Vorführung: Original 16 mm

Lawinia Rate ist freie Kuratorin und Autorin. In ihrer kuratorischen Tätigkeit interessiert sie sich für kritische Kunst, die soziale und politische Fragen nicht scheut und den Mut hat, über die eigene Wirksamkeit und ihre Werkzeuge zu reflektieren. Sie vertraut auf die Stärke der Kollaboration, woraus beispielsweise Ausstellungen wie „Imagining the Body“ (Fringe Festival, London, 2015), „Jen Liu: Pink Detachement“ (Somos Galerie, Berlin, 2016) oder „Interleaved Space“ (Vorspiel Transmediale/Vierte Welt, Berlin 2018, 2019, 2020) hervorgegangen sind. Lawinia Rates Schwerpunkt ist der Experimentalfilm. Sie ist Autorin mehrerer Filmreihen und -programme, beispielsweise für das IFFF DortmundIKöln. 2015 initiierte sie die Experimentalfilmplattform Attaque(e)r le visible.

Attaque(e)r le visible

Experimental Film Programme – Monthly from March to December 2021

curated by Lawinia Rate

Attaque(e)r le visible is an experimental film platform for projections, meetings, talks, book presentations and lectures. Older experimental films as well as the most recent developments of the genre find a place here. Attaque(e)r le visible is dedicated to films which perturb the consistency and illusionism of the classical film by consciously referring to the technical embeddedness of the film, its incoherence and materiality. The works on display are marked by refusing stereotypical images and linear narration, their critical position towards the co-world, normative visibilities, forms and bodies. In short, it is about films which do not trust the self-evident, and for which the word ’normally‘ does not exist.

After stops in Paris, Kassel and Cologne, Attaque(e)r le visible now continues in Berlin in collaboration with the Raum für drastische Maßnahmen. The series consists of two parts, Corporal Interventions and a Videofest. The main theme of the monthly film programme Corporal Interventions is the body, which is understood here in a broader sense. It is not only about the human body, but also about the body of film, its materiality, its photochemical envelope, and the working on films in collectives. In this connection Attaque(e)r le visible looks back at the experimental film history of the 60s, 70s and 80s in Germany. You can look forward to films, among others, by Dore O., Margaret Raspé, Monika Funke Stern and Ute Aurand. The Videofest, which takes place on two weekends, focuses current tendencies in experimental film and video.

Videofest #1
27–28 March 2021

no opening / starts at noon / non-stop window projection

Đejmi Hadrović – Apartment 102, Austria 2019, digital, 3:40 min.

Julie Hart – Entität, BRD 2020, digital, 5:12 min.

Ho Waishan – Lemon Tree, Hong Kong 2019, digital, 1:48 min.

Narges Kalhor – LovoGary, BRD 2016, 35 mm, 4:06 min.

Leyla Rodriguez – Optimistic Cover, BRD 2015, digital, 4:34 min.

Juli Saragosa – Urban Caustic, BRD 2002, 16 mm/video, 7:46 min.

Corporal Interventions #1 – Berlin Experimental Films from the 80s

4 May, 7 p.m.

Bodily

Monika Funke Stern

Unding Undine, BRD 1981, 16 mm, 15 min.

Zum Glück gibt‘s kein Patent, BRD 1985, 16 mm u. 35 mm, 14 min.

Frankensteins Töchter, BRD 2016, U-Matic, 6 min.

Monika Funke Stern is a passionate storyteller. Figures from well-known myths and legends often appear in her films. However, they play according to her own direction so that they are hardly recognizable. Again and again, Funke Stern carries out critical and clever examinations of the known and the familiar by remounting old stories. No less often she invents plots, but never withoutallusions to contemporary events. Funke Stern is not only bold in her storytelling, she also experiments with technical means, jumping between 16 mm, video and computer animation. In her practice she is not bound to any technique, but—according to her reputation in the scene—she eagerly appropriates new technologies

online and window screening (the link to the films will appear here on 4 May)

8 June, 8 p.m.

Film Feeling

Films by Helga Fanderl

An 8 mm projector in the middle of the audience and its quiet rattle are a characteristic of the screenings of Fanderl’s films. She usually compiles her screening programmes, which she calls “compositions”, herself, and she also operates the projector. Fanderl actually wanted to become a poet. By chance, she attended Urs Breitenstein’s 8 mm film course in the early 1980s. Filming has remained with her ever since. Later she studied with Peter Kubelka and Robert Breer, where she became acquainted with experimental film. Fanderl’s films are poems. Instead of using a pen, Fanderl writes poetry with her camera. She “cuts” her films within the camera, and never reworks them. Either the film succeeds or it will not be shown.

Guest: Helga Fanderl

Special screening in the original Super 8 version

27 July, 7 p.m.

Collective Body

Aus heiterem Himmel, BRD 1981, 16mm, 110 min. An episode film by Marie-Susanne Ebert, Monika Funke Stern, Ebba Jahn, Barbara Kasper, AnkeOehme, Ingrid Oppermann, Renate Sami, Claudia Schilinski, and Angi Welz-Rommel

40 years ago, nine female artists collectively produced the nine-part episode film Aus heiterem Himmel (engl. Out of the blue). Shot during the Cold War, the Artists understood the project as a statement against the nuclear threat. Today, the film is especially interesting since the invisible threat of that time bears similarities to the Corona situation we are experiencing.

Guest: Angi Welz-Rommel

Special screening in the original 16 mm version

Lawinia Rate is an independent curator and writer. In her curatorial work, she is interested in critical art that engages with social and political issues and has the courage to reflect on its own effects and means.
She relies on the strength of collaboration, from which exhibitions such as „Imagining the Body“ (Fringe Festival, London, 2015), „Jen Liu: Pink Detachement“ (Somos Galerie, Berlin, 2016) or „Interleaved Space“ (Vorspiel Transmediale/Vierte Welt, Berlin 2018, 2019, 2020) emerged. Lawinia Rate’s special focus is on experimental film. She is the author of several film programmes and retrospectives, for example, for the IFFF DortmundIKöln. In 2015 she founded the experimental film platform Attaque(e)r le visible.

https://www.facebook.com/attaqueerlevisible

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