Szene klappern
Lesung 26
Freitag der 13. Februar 2026, Einlass 19 Uhr, Start 20 Uhr.
Der Raum für drastische Maßnahmen lädt zur (szenischen) Lesung.
Mit:
Leonard Feddern, Fabian Frischmann, Michael Huber, Tara Meister, Camillo Del Valle Lattanzio, Teresa Metzinger, Valeria Nieberg, Suse Schröder, Stefan Schwinghammer, Marius Wolf, Jonas Zink
































„Klappe halten“ von Camillo Del Valle Lattanzio
Klappern klingt nach Klappe,
und man klappert ja auch mit der Klappe,
mit den Zähnen,
in der Klappe,
man klappert,
wenn es in der Klappe kalt ist,
wenn man mit der Klappe in der Klappe friert,
mit den Zähnen in der Klappe,
gerade wenn man die Klappe nicht aufmacht,
oder zumindest nicht ganz aufklappt,
man klappert,
wenn man schweigt,
man klappert,
wenn man die Zähne,
nicht die Klappe,
zum Sprechen bringt,
man klappert die Zähne,
wenn man Angst hat,
wenn man in die Klappe verfolgt wird,
es gibt immer Besucher in der Klappe,
nicht alle sind Freunde,
nicht alle sind Feinde,
aber auch nicht alle verstehen,
dass das Klappern der Zähne
kein gutes Zeichen ist,
manchmal klappert man die Zähne,
man hält die Klappe,
und manchmal zeigt man die Klappe,
die Zähne die nicht klappern,
„Vorsicht mit den Zähnen“ meint er,
und ich klappere die Klappe
und klammere die Klappe,
wenn man nicht sprechen kann,
weil man einen Schwanz
im Mund hat,
da gibt es keine Zähne
aber manchmal
zeigt man die Zähne,
durchs Loch,
wenn man grinst,
aber auch wenn man vor Lust brüllt,
Zähne zeigen ist ein Zeichen,
„Vorsicht mit den Zähnen“,
wie Freunde,
die „sich weiße Zähne zeigen“,
wenn wir „lieblich laut mit Freunden lachen“,
aber Lachen ist kein Sagen,
man lacht und man spricht,
aber man klappert die Klappe,
wenn man friert,
wenn man Angst hat,
vor dem Mann,
den man nicht kennt,
dem Mann,
der nicht warm ist,
der uns holen möchte,
der friert,
der uns frieren lassen möchte,
der die Klappe zuhalten möchte,
dann klappere ich meine,
seine Zähne,
hinter dem Loch,
„who’s in the house?“,
„I don’t know“,
trotzdem geht man immer wieder
in die Klappe,
langsam geht man in die Klappe
als ein Zeichen,
als eine Einladung,
aber nicht alle sind eingeladen,
nicht alle möchte man in der Klappe halten,
es gibt aber keine Klappe mehr,
sowas wie eine Klappe gibt es nicht mehr,
die Klappe,
ein Museum unserer Begegnungen,
die Klappe ist zugeklappt,
ihre Zeit ist zugesperrt,
sie wollen
sie haben uns die Klappe gehalten,
weil sie nicht wollen,
weil sie nicht wollten,
und werden auch nie wollen,
dass wir uns gegenseitig blasen,
dass wir unsere Klappen offenhalten,
weil sie nicht wollen,
dass die Klappe ihrer Ängste offenbleibt,
es gibt kein Grinsen in ihrem Lachen,
es gibt keine Freunde in ihren Zähnen,
weil sie einfach nicht dazu gehören,
weil wir nie zu ihnen gehörten,
sie werden jedoch kommen,
sie kommen uns holen,
sie werden uns holen
in all unseren Orten,
sie werden uns holen,
weil unser Geld nicht klappert,
weil wir aus Liebe
und nur aus Liebe
und Lust, und Sex
gegenseitig den Mund offenhalten,
sie werden aber
all unsere Klappen zumachen,
weil unser Stöhnen zu laut war,
weil wir viel zu laut waren,
weil wir
gegen all die Erwartungen
Wärme gefunden haben,
sie werden es nicht dulden,
obwohl wir nur geklappert haben,
weil wir immer nur Angst hatten,
wir nur leise und versteckt geflüstert haben,
wir uns eine kleine Welt gemacht haben,
im Dunkeln, im Versteck, im Keller,
weil wir einfach genossen haben,
ohne Geld klingeln zu lassen,
daher haben sie die Klappe zugeklappt,
nicht alle sind Freunde,
nicht alle sind Feinde,
aber sie sehen nur Feinde,
sie sehen nur andere
um zu holen
um zu verkaufen
und egal wie gut wir uns verstecken
werden sie uns holen,
und sie werden uns aus unseren schönen Löchern
holen
aus unserer Höhle holen,
wo wir uns warm zugedeckt haben,
im Dunkeln, im Versteck, im Keller,
sie werden unsere Höhlen ausholen,
aber nicht all die Höhlen haben Zähne,
die sie zuklappen können,
es gibt warme Höhlen
schöne Höhlen
die sie uns auch zusperren wollen
zunähen wollen,
weil der Arsch zubleiben muss,
weil der Arsch keine Zähne hat,
verstopft klappern ihre Ärsche,
wie eine weiße Mauer,
wir zeigen uns weiße Zähne,
in der Klappe
wo unsere Klappe klappert,
wo wir frieren
wo sie mit uns frieren
in der Klappe,
die nach Klappern klingt.
